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N-Bahn-Magazin,  Heft 02/2010

Das N-Bahn-Magazin erscheint 6 mal im Jahr.
Ab Ausgabe 1/2009 beträgt der Heftumfang 66 Seiten, mit überwiegend farbigen Abbildungen.

Bezugsgebühren Abonnement / Einzelheft:
Inland € 33,– (D)    € 5,80 (D)
Schweiz sFr 63,–    sFr 10,80
übriges Ausland € 36,–    € 6,30

 
 
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Modellbahn(er) fair (be)handeln

Bananenwagen sind beliebt, soweit es sich um Spezialgüterwagen handelt und sie nicht die Silhouette verzogener Modelle umschreiben. Ebenso keine Wertschätzung erfahren Assoziationen mit Strukturen, deren Handlungs­prinzip mit dem Transportgut dieser Wagen charakterisiert wird. „Wir wollen unseren alten Kaiser Wilhelm wieder haben!“ mag mancher Anhänger der Epochen I sinngemäß anstimmen wollen, doch die Zeit der dynastisch geführten Betriebsstätten ist vielfach vorbei. Das insolvente Schicksal fast aller großen Anbieter zwingt rück­blickend zur kritischen Prüfung der alten Struk­turen. Nicht jede Reorganisation hat bis jetzt alle geweckten Erwartungen ­erfüllt. Verfolgt man die Diskussionen unter Modellbahnern, werden fallweise folgende Kritikpunkte laut:
-bisweilen kritisches, nicht attraktives Preis/Qualitätsverhältnis,
-fallweise Nachlässigkeiten bei der Modellqualität und der unkomplizierten Handhabbarkeit,
-sporadische Lieferung bei Neuheiten durch mehrfache Terminverschiebungen oder Streichungen,
-bisweilen ungenaue oder nicht eingehaltene Modellspezifikationen,
-Abbau des direkten Kundenservice durch Verlagerung der Reparatur­abwicklung über den nicht mehr überall präsenten Handel,
-Abbau der direkten Ersatzteilbelieferung an Endverbraucher.

Dies trifft den Lebensnerv des Modellbahnbetriebes und damit der Branche selbst. Jedoch muss man in der Diskussion viel Sachlichkeit einfordern. Es ist nicht mehr zu verkaufen, als der Markt, der vom Modellbedarf her kleiner ­geworden ist, hergibt. Der Ratschlag, ein Modell einfach deutlich billiger zu machen, damit es häufiger gekauft wird, geht nicht immer ohne weiteres auf. Um den Preis radikal zu senken, können Verkaufszahlen nötigt sein, die höher liegen, als es potenzielle Interessenten unabhängig von deren Kaufkraft gibt.

Nicht alle Kosten der Herstellung lassen sich einfach durch die Stückzahl ­dividieren. Der Ansatz einer Querrechnung der Entwicklungskosten auf das Gesamtsortiment ist wenig wirksam, wenn selbiges stagniert. In letzter Kon­sequenz muss sich dann eine Neuentwicklung eigenständig rentieren.

Unabhängig vom Produktionsort gilt der Kostenfaktor ab Standort und Händler in Europa oder Deutschland im Speziellen. Kosten für Abgaben, ­Energie oder Kapitalbeschaffung können ein Modell gleich mehrfach treffen, beim Zulieferer, beim Hersteller, in der Logistik und beim Händler. Nun gibt es reale Preissteigerungen und „gefühlte“, letztere sind um so drückender, wenn man als Kunde in seinem Einkommen eine generelle Kaufkraft-Verringerung erfahren hat.

Alle Hersteller können nicht von der ausschließlichen Belieferung eines ­kleinen hochpreisigen Marktsegmentes existieren. Modelle für Durchschnittseinkommen sind erforderlich! Aber auf was kann man am Modell verzichten? Zurüstteile, filigranste Pantografen, Schlusslicht, Digitaldecoder (gar mit Geräusch) und aufwendige Inneneinrichtungen sind bei N-Modellen ohnehin nicht allgemeiner Lieferstandard. Sollen keine Schwungmassen, Steckschnittstellen oder Kupplungskinematiken mehr eingebaut werden? Kann man überhaupt prakti­kable Einsparungen vornehmen, die dem Kunden dann recht und auch billig sind? Diese Frage müssen die Modellbahner beantworten.

Was wir brauchen, sind klare Signale der Verlässlichkeit, den Modellbahner auch weiterhin über Jahre hinweg in seinem Hobby zu unterstützen, sich als dessen Dienstleister zu begreifen, seine Sprache zu sprechen und seinen Informationsbedürfnissen zu entsprechen. Marketing-Floskeln helfen da nicht ­weiter, eher Requalifizierungen des Zusammenspiels von Entwicklungs-, Produktions- und Servicestrukturen zur Qualitäts­sicherung.

Wer über die diesjährigen wenigen Formenneuheiten nach älteren deutschen Vorbildern enttäuscht ist, sollte nicht unrealistisch sein, denn von einem ­defekten ICE kann man keine Höchstleistung erwarten, sondern muss zunächst zufrieden sein, dass er aus eigener Kraft wieder ins Bw kommt. Nicht alles ist desolat, und es gibt Hersteller, die zeigen, wie guter Service praktiziert, authentische und betriebstaugliche Modelle machbar sind. Nur wenn man sich als Kunde aus eigener Erfahrung auf die so soft bemühte Markenqualität kontinuierlich verlassen kann, wird man sich auch auf Bestellungen



Gunnar Selbmann

N-Bahn-Magazin, Heft 02/2010

Inhaltsverzeichnis

Aktuell

5

Neues aus Nürnberg

Die 61. Nürnberger Spielwarenmesse 2010


18

Originell und funktionellq

Die Modelle des Jahres 2009


20

Renoviert und variiert

Aktuell im Handel eingetroffene Modelle


Fahrzeuge

50

Internationale Saarländerinnen

Die Zweifrequenzlok 181.2 der DB von Roco


55

Enthemmende Befreiungsschnitte

Leichter Lauf der VTG-Kesselwagen von Minitrix durch Wagenboden-Bearbeitung


62

Volkseigene Rangierer

Die DR V60.12 von Fleischmann


Anlagen

41

Partnerwunsch in Weiß

Ein kleiens Winterdiorama mit Bahnübergang


44

Bahnknoten Ratzeburg (1)

Kreuzungsbahnhof mit keilförmigen Hausbahnsteig, vier Stellwerken und einem Ringlokschuppen


56

Zahnloser Kletterer

Bergbahn mit fiktivem Zahnradbetrieb


Technik

60

Polarisierte Richtungsimpulse (2)

Digitale Schaltungstechnik von Kato-Unitrak-Weichenantrieben


Service

66

Leserbriefe